Falscher Kurs

Die russische Invasion in der Ukraine dauert bereits über zwei Monate, ein Ende ist nicht in Sicht! Gräueltaten an der ukrainischen Bevölkerung, massivste Zerstörungen im Land am schwarzen Meer und Eskalationsdrohungen gegen den Westen begleiten unseren Alltag. Und die Deutschen? Sie streiten um die Nutzung des Gases aus falscher Hand und um die angemessene militärische Unterstützung der Ukraine, die mittlerweile einen Aufnahmeantrag für die EU in Brüssel abgeliefert hat.

Jüngst wurde ein offener Brief von Persönlichkeiten der deutschen öffentlichen Gesellschaft bei „Emma“ veröffentlicht, der den Bundeskanzler mahnt, kein schweres militärisches Gerät aus deutscher Hand an die Ukraine zu liefern! Die daraus erkennbare Friedensbekundung ist natürlich Konsens, aber ein Schweigen der Waffen verbunden mit Unfreiheit? Das kann doch wohl nicht gemeint sein! Die Verfasser glauben unter Berufung auf einen atomaren Schlag, ein Recht auf ihren Frieden in Freiheit zu haben, der keineswegs gestört sein darf. Denn die Menschheit sei ja in Gefahr, deshalb darf man der Ukraine nur bedingt und nur soweit helfen, wie es dem Aggressor passt!

Es schwingt Feigheit daraus und Angst vor dem Verlust eigener Freiheit und eigenen Wohlstandes. Und das zugunsten des Aggressor und Gewalttäters. Hatten wir das nicht schon mal? In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts? Der deutsche Kleingeist tritt einmal wieder öffentlich ganz groß zutage. Welches Unheil in der deutschen und europäischen Geschichte hat dieser Geist schon angerichtet? Und nun will er Platz finden in der Debatte und in der Ausrichtung der politischen Richtung zugunsten von Frieden in Freiheit für die Ukraine sowie aller Anrainer des benachbarten Russlands? Das ist der falsche Kurs!

Es gibt wohl nichts Unseriöseres als diesen fehlinterpretierten Friedenskurs. Bewusst oder unbewusst werden die Kausalitäten der Gewalteskalation verdreht in Übereinstimmung mit der russischer Demagogie. Zunächst wird das Wohlergehen der Deutschen an russische Energielieferungen gehängt (Anlandung in Lubmin, MV!), trotz unüberhörbarer Warnungen aus verbündeten Nationen, und dann ruft man die Leisetreterei auf den Plan, um dem russischen Aggressor bloß nicht weh zu tun? Und wieder nur aus völligem Eigennutz – es darf uns nicht weh tun!

Ich habe dafür keinerlei Verständnis. Die Deutschen konsumieren Sicherheit unter dem NATO-Schutzschirm und wollen sich drücken, angemessen dafür zu bezahlen. Die schlechte Presse im Ausland über die aktuelle deutsche Politik und öffentliche Debatte besteht zurecht. Anders als 1939 findet sich nach der russischen Aggression in der Ukraine schnell eine Anti-Putin-Allianz, die tätig wird. Die Wirkung bleibt abzuwarten, aber das opfern der Ukraine als berechtigtes Protektorat russischer Interessen ist keine Option und verstößt gegen das Völkerecht! Einige Staaten unserer Allianz sehen klarer und entschiedener – Gott sei dank!

In unserem Format gäbe es sicher passendere Themen als den Putin-Krieg gegen die Ukraine in Verbindung mit dem deutschen Kurs der richtigen und angemessenen Unterstützung für alle, die Frieden in Freiheit wollen. Es geht uns aber alle an und wird uns noch lange bewegen. Das mediale Feld jenen zu überlassen, die auf einem Irrweg sind, geht aber auch nicht.

Ingo Küster, 30.04.2022