Stralsund – Zürich

Sehr gute Freunde inspirierten, uns diese Seite zu eröffnen. Sie kommen selbst aus Zürich und leben jetzt in Stralsund!

Wir selbst kennen natürlich auch die Stadt am Limmat, die wir gerne besuchen und die uns in sehr guter Erinnerung ist.

Mit der Stadt Zürich verbindet uns die Freundin Isabelle Gendre, die uns im Oktober 2019 hier in Stralsund besuchen wird. Wir freuen uns sehr auf ihren Besuch, weil damit einige kulturelle Ereignisse verbunden sein werden, die wir hiermit in der Zeit vom 10. – 14. Oktober ankündigen:

Freitag, 11.10.2019 um 18:00 Uhr, Lesung mit anschließendem Gespräch

Literarischer Salon im Lindner-Haus, Badenstr. 44, 18439 Stralsund


Sonntag, 13.10.2019 18:00 Uhr, LESUNG MIT ANSCHLIESSENDEM GESPRÄCH

Salon in der Kapitänskajüte, Villa Haiderose, Strandpromenade 14, 18609 Binz


MONTAG, 14.10.2019 UM 19:00 Uhr, LESUNG MIT ANSCHLIESSENDEM GESPRÄCH

Der Rostocker Frauenkulturverein, Die Beginen e. V., Heiligengeisthof 3/Eingang Faule Grube, 18055 Rostock


Als China sich in den 1980-igern nach der völligen Abschottung während der Kulturrevolution langsam wieder nach außen öffnete, lernte Isabelle, die damals mit ihrer Familie in Peking lebte, auf einer Ausstellung den jungen Maler Li Jiwei kennen. Sie kaufte mehrere seiner Bilder, die beiden wurden Freunde und so habe auch ich Isabelle kennengelernt, als sie uns Ende der 1990-iger von Dresden aus in Berlin besuchte. Ich erinnere mich noch gut, wie sie bei uns auf der Couch lag und in Büchern über Männerpsychologie für ihren ersten Roman recherchierte. Seitdem haben wir uns in Zürich und in den letzten Jahren auch immer wieder in Peking getroffen, wo mir Isabelle von ihren langen Reisen durch die Mandschurei erzählte, die den Hintergrund ihrer letzten Romane bildet.

Gisela Reinhold, Juli 2019

Wir freuen uns schon sehr auf einen interessanten Austausch mit dieser weit gereisten, interessanten Frau, die seit nunmehr über zehn Jahren nicht nur ein Buch nach dem anderen schreibt, sondern auch malt und ein Atelier für Farbberatung in Zürich betreibt. Und wir sind schon sehr gespannt auf den Text, den uns Isabelle als Reaktion auf ihre Begegnungen hier oben im Norden versprochen hat.


Ich wuchs in Zürich auf, doch nach meiner Matura zog es mich in die Welt. Mit einem „one way ticket“ nach Kopenhagen, wo ich auf der Schweizer Botschaft arbeitete, begann meine dreißigjährige Odyssee durch die Kontinente, später dann, zusammen mit meinem Mann, der die konsularische Karriere einschlug. Weil ich ihn heiratete, durfte ich von Amtes wegen nicht mehr arbeiten. Heute ist das zum Glück anders. Ich kümmerte mich um die zwei Mädchen, die in Paris respektive Johannesburg auf die Welt kamen, später kam viel Freiwilligenarbeit an den Schulen und für soziale Projekte dazu. Als wir nach Beijing versetzt wurden, verliebte ich mich spontan in die Stadt, die Menschen und deren Kultur. Als ich das erste Mal in der Verbotenen Stadt, dem ehemaligen Kaiserpalast, stand, hatte ich ein tiefes Aha-Erlebnis: Das kenne ich! Schon als Teenager verschlang ich das Buch von Pearl S. Buck: „Imperial Women.“ Und nun sah ich die ganze Szenerie lebendig vor mir. Da gehörte ich hin!

China ließ mich nicht mehr los. Am nächsten Arbeitsort meines Mannes, in Wien, gab ich ein Fotobuch heraus über die Tempel und ehemaligen Prinzenresidenzen Beijings.

Dann hatte ich ein weiteres Aha-Erlebnis: Wir standen auf dem Kahlenberg und genossen die Aussicht auf die Stadt, als eine Reiseführerin mit einer Gruppe Chinesen kam und ihnen alles auf Chinesisch erklärte. Wie ein Blitz durchschoss es mich: Das will ich auch! Am nächsten Tag schrieb ich mich auf der Uni Wien für Sinologie ein. Das war meine Wende! Ich beendete mein Studium in Washington, D.C.. Lieber wäre ich in Wien geblieben, doch wir wurden nicht gefragt. Immerhin gab mir an der University of Maryland eine meiner Professorinnen den Rat, ich müsse unbedingt schreiben. Das dritte Aha-Erlebnis! Den ersten Roman schrieb ich in Dresden. Ein Buch über Mönche in einem deutschen Kloster … vier weitere mit dem gleichen Thema folgten. Erst ein paar Jahre später, nach persönlich schwierigen Jahren, als wir von Japan auf einem Frachter nach Europa zurückkehrten und ich mich von meinem Mann trennte, begann ich mich wieder mit meiner alten Liebe China zu befassen. Und ich wollte Mandschurisch lernen! Die Sprache der wilden Krieger und Clans im Nordosten Chinas, die Sprache der Kaiser der Qing Dynastie, für die ich so schwärmte. Ich zog mein Mandschurisch Lehrbuch hervor, das ich seit Jahren mit mir herum trug und begann mit dem Erlernen von Grammatik und Schrift (beides ist mit dem Mongolischen verwandt).

Ich übte und übte, bis es mir gelang, Texte zu verstehen und damit eröffnete sich mir eine neue Welt. Nun schrieb ich Bücher über die Geschichte der Mandschuren und merkte: Das ist absolut meins! Da ist meine Seele zuhause, ich verstehe diese Menschen, ihr Fühlen, ihr Denken. Zweimal reiste ich in den letzten Jahren mit dem Transsibirischen Express nach China, mit Rucksack und Abenteuerlust. In Beijing besuchte ich das Grab des Kaisers Kangxi, der Hauptperson in meinem historischen Roman „Die Leibwache des Kaisers“. In der Mandschurei fand ich die Geburtsstätten von Nurhaci, dem Gründer der Qing Dynastie und seines Gegenspielers Gintaisi, dem Ahnherrn der Kaiserin Cixi, deren Leben ich als Teenager in Pearl S. Bucks Roman verschlang.  Sie sind die Hauptpersonen in meinem neusten Roman „Wilde Gräser“. Ihre Seele und ihr Leben prägen diese wilde Landschaft immer noch.


Und es war mir, dank Gisela Reinhold, vergönnt, eine Nachfahrin Cixis aus dem Roman von Pearl S. Buck persönlich kennen zu lernen. (Sie ist somit gleichzeitig Nachfahrin von Gintaisi, sie sind aus demselben Clan der Yehenara). Ein Kreis hat sich für mich geschlossen! Für all diese Erfahrungen bin ich unendlich dankbar! Ein nächster Roman ist schon in Bearbeitung, eine nächste Reise geplant …

Isabelle Gendre, Juli 2019